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Wiesn-Look: Dirndl by Angermaier

Streetstlye Wiens-Look Angermaier

Es ist kaum zu glauben, aber in bereits vier Wochen beginnt wieder die Wiesn und somit für die Münchener eine der schönsten Jahreszeiten im Jahr. Natürlich darf beim größten Volksfest der Welt ein richtiges Dirndl nicht fehlen. Doch bereits hier scheiden sich die Geister, was denn nun eigentlich ein richtiges Dirndl ist. Waren über die Jahre hinweg detailverliebte Varianten mit viel Glitzer und Co. en vogue, so tendieren die Münchnerinnen inzwischen immer mehr zur schlichten Variante.

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Fakt jedoch ist: Ein richtig oder falsch beim Dirndl gibt es nicht, da ein Dirndl im übertragenen Sinn gar keine richtige Tracht, sondern mehr eine Sonderform der alpenländischen Tracht ist. Ursprünglich bestand das Dirndl aus einem ärmellosen Oberteil (dem Mieder), einer Bluse und einem Rock mit Schürze und war die Arbeitskleidung der Dirnen – daher auch die Bezeichnung „Dirndl“. Populär wurde das Dirndlgewand, wie man zum Dirndl in Bayern eigentlich sagt, erst durch die städtischen Sommerfrischler auf dem Land, die für die Aufnahme des trachtenähnlichen Kleides in bürgerlich-städtische Kreise im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verantwortlich waren.

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Spricht man mit Vertretern der Tracht- und Brauchtumspflege heute, so gab es in den letzten Jahrhunderten so gut wie jede Art von Dirndl bereits. Ob kurz oder lang, aus Baumwolle oder Schilfleinen, in knalligen Farben oder gedeckt, auch in den frühen Jahren unterlag das Dirndlgewand schon gewissen Moden und veränderte und erschuf sich dadurch immer wieder neu. Eine klare Einteilung oder Definition des richtigen Dirndls gibt es folglich also nicht. Es ist, wie bei so vielen anderen Dingen auch, immer eine Ansichtssache und von Region zu Region unterschiedlich. So sieht man das ganze in München etwas lockerer und Glitzer-Dirndl sind genauso populär wie klassische Baumwolldirndl oder inzwischen auch wieder Dirndl mit hochgeschlossenem Dekolleté (finden die älteren Damen auf dem Land übrigens schrecklich altbacken). Im Oberland selbst, wo Brauchtum und Tracht noch gepflegt wird und auch einmal die Männer am Sonntag mit der Lederhosm zum Stammtisch gehen, bevorzugt man dann doch lieber die schlichten Dirndl, bevorzugt zweiteilig mit Spender (Miederoberteil mit Ärmel) und Rock. Doch auch hier ist alles im Wandel, sieht man auf den Waldfesten rund um den Tegernsee doch zunehmend ebenso Glitzer und Schischi wie auf dem Oktoberfest auch. Was sagt uns das also? Bei einem Dirndl ist so gut wie alles möglich, man sollte nur wissen, wo und zu welchem Anlass man es tragen möchte. Auf einem Waldfest oder Weinfest kommt ein schlichtes Dirndlgewand mit Mieder und Rock wohl besser an als ein Glitzer-Dirndl von einer der populären Dirndl-Designerinnen. Wo hingegen man bei den allseits bekannten Wiesn-Events auf dem Oktoberfest durchaus aus den vollen Schöpfen kann.

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Und auch bei der Rocklänge gehen die Meinungen weit auseinander, vor allem bei denen, die meist gar keine Ahnung von der eigentlichen Materie haben. Meine Mutter trug beispielsweise als Teenager schon Dirndl mit Minirock und war damals alles andere als fernab jedweder Trachtenordnung, sondern sogar aktives Mitglied im hiesigen Trachtenverein und damit an vorderster Front, wenn es um akkurate Tracht auf dem Land ging. Früher wie heute ist es von entscheidender Relevanz, dass das Dirndl zur Trägerin und zum Anlass passt und stilvoll getragen wird. Wie viel Glitzer und Glamour dabei die Trägerin benötigt, ist letztendlich jeder selbst überlassen. Vorschreiben was und wie man etwas tragen sollte, kann man eh niemanden – außer man ist in einem Trachtenverein und trägt richtige Tracht wie ein Miedergewand (Tracht der ledigen Frauen im Oberland) oder einen Schalk (Tracht der verheirateten Frauen im Oberland).

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Ich bewege mich seit Jahren zwischen den verschiedenen Vorstellungen und Ansichten, was denn ein richtiges Dirndl sei, denn einerseits erwartet man in der geliebten Heimat im Tegernseer Tal ein ordentliches Gewand, während in der Stadt München eigentlich so gut wie alles geht. Daher hängen bei mir im Schrank auch die vielfältigsten optischen Auslegungen von einem Dirndl. So hat sich über die Jahre hinweg eine sehr tolerante Meinung gegenüber „geht und geht gar nicht“ in Sachen Dirndl entwickelt. Natürlich bevorzuge ich grundsätzlich ein handgefertigtes, zweiteiliges Dirndl von meiner lieben Schneiderin Kathleen, bestehend aus einem Rock, einem Mieder, einer Bluse sowie passender Schürze (Was anderes sieht mein geliebter Papa bei einem Besuch zu Hause auch nicht gern). Aber ab und zu darf es dann auch mal die Münchner Variante sein. Wichtig für mich sind nur gewisse stilistische Werte, die eingehalten werden sollten. Haferlschuhe bei Frauen gehen beispielsweise gar nicht, ebenso wie ein Sepplhut oder dergleichen. Gleiches gilt für Sneaker oder Timberland-Schuhen zur Lederhosn, bestenfalls noch ohne Strümpfe oder wenn mit Strümpfen, dann „gschlampert“ nach unten gestülpt – ein absolutes Unding. Dagegen ist ein perfekt sitzendes Dirndl mit etwas Glitzer und Seide ja schon wieder eine richtige Augenweide. Aber wie gesagt, das ist eben Ansichtssache.

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Für die diesjährige Wiesn konnte ich jedenfalls in puncto Dirndl aus den Vollen schöpfen und habe mich gleich für alle gängigen Varianten, von traditionell über modern bis hin zu glamourös, entschieden. Absoluter Favorit und Neuzugang im Dirndlschrank ist eine traditionelle Rock-Mieder-Kombi von Angermaier Trachten, welche ich mir letzte Woche in dem frisch renovierten Laden in der Landsberger Straße aussuchen durfte. Der Marktführer für modische und klassische Trachtenmode wurde 1948 gegründet und hat sich im Laufe der Jahre nicht nur in München etabliert, auch die Filialen in Stuttgart, Nürnberg und Berlin bestechen durch ein breit gefächertes Angebot für nahezu alle Trachtenwünsche. Das Highlight bei der Dirndlkombi ist das Mieder, bei welchem man über zwei eingearbeitete Schlitze das Schürzenband stecken und so die Schleife oberhalb des Mieders binden kann. Anstelle einer Trachtentasche, die nur selten wirklich hübsch aussehen, habe ich zum Dirndl einen Korb mit Blumen kombiniert. Ein bisschen Heimatgefühl à la Heidi muss dann doch sein. Ich habe zwar richtige Trachtenschuhe, nur kommen diese eigentlich nur im Trachtenverein zum Einsatz. Geschlossene Pumps sehen zum Dirndl ebenso gut aus, für’s Shooting durften dann auch Stilettos zum Einsatz kommen, im Alltag werden diese aber natürlich durch mittelhohe Pumps ersetzt.

Streetstlye Wiens-Look Angermaier

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Mieder von Angermaier Trachten*

Rock von Gottseidank von Angermaier Trachten*

Bluse von Krüger Madl von Angermaier Trachten*

Schuhe von Asos (ähnlich hier)

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Psst: Die Bilder für das Angermaier-Dirndl wurden übrigens in meinem Heimatdorf am Tegernsee geshootet – ganz authentisch also. Wir waren auf unserem Hausberg und haben das neben dem Shooting natürlich auch die herrliche Aussicht genossen. Wie sagt man so schön: Dahoam ist’s doch am scheensten!

Streetstlye Wiens-Look Angermaier

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Bilder: ©Coco’s Philosophy

*In Freundlicher Zusammenarbeit mit Angermaier Trachten

 

3 Comments on Wiesn-Look: Dirndl by Angermaier

  1. Sabrinchen
    19. August 2016 um 07:54 (9 Monaten ago)

    Ein sehr guter Beitrag! Meine Freundinnen und ich streiten auch jedes Jahr aufs Neue, was ein „richtiges“ Dirndl ist :). Ich werde ihnen diesen Beitrag mal zeigen, bevor das Thema in diesem Jahr wieder aufkommt. Ich selbst bin ein großer Fan von Mini-Dirndls.
    Dieses Dirndl von Angermaier Trachten ist aber auch super schick und ich find auch diese Schuhe sehr genial

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  2. Petra Teich
    18. August 2016 um 13:27 (9 Monaten ago)

    Ich liebe Dirndl und du hast dir ein ganz besonders schönes ausgesucht. LG petra

    Antworten

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