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Filmtipp: ´Violette` – Das Leben einer starken Frau

Charmant, fesseln, beachtlich - Violette begeistert auf ganzer Linie.  Quelle: Koolfilm

Charmant, fesseln, beachtlich – Violette begeistert auf ganzer Linie. Quelle: Koolfilm

Seit Jahrzehnten zählt der Kinobesuch zu den beliebtesten Freizeitgestaltungen. Manche gehen ab und an in auserwählte Blockbuster, fün manch andere gehört der allwöchentliche Kinobesuch zum regelmäßigen Freizeit-Repertoire. Wieder andere nutzen die cineastische Aufbereitung mancher Plots für ein seltenes aber einzigartiges Erlebnis. Leider zeichnet sich die heutige Filmlandschaft durch 3D-animierte Großproduktionen aus der ´Traumfabrik` und Star-Blockbustern mit teils niveauvoller teils dünnschichtiger Handlung aus. Umso schöner ist es, wenn es ab und an kleine Filmproduktionen gibt, die wahre, tiefgreifende Filmerlebnisse mit Mehrwert bieten. Ein solcher Film ist ´Violette` von Regisseur Martin Provost. Das Bioepic erzählt die Geschichte der französischen Schriftstellerin Violette Leduc, die in ihrem Leben dank Lieben und Leiden stets zu kämpfen hatte und dabei eine Charakterstärke entwickelte, die selbst berühmte Persönlichkeiten wie Simone de Beauvoir magisch anzog.

´Violette` erzählt keine hübsche Geschichte, sondern vielmehr die Lebensgeschichte einer Frau, die sich dank ihrer Leidenschaft für das Schreiben zu einer starken Frau entwickelt. So erlebt die spätere Schriftstellerin ihre Kindheit in den Wirren des ersten Weltkrieges. Als junge Frau muss sie sich zudem den Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges stellen, um letztlich mit einigen seelischen Narben und einem äußerst kritischen und verminderten Selbstbild durch das Schreiben zu sich selbst zu finden. Ein Werk der gesellschaftsprägenden Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir ermutigt die Hauptfigur selbst ihre Gedanken und Erfahrungen zu Papier zu bringen. Das Erstlingswerk, in dem sie Homosexualität und Frivolität thematisiert, wird daraufhin auch der bekannten Feministin zur Ansicht überreicht. Simone de Beauvoir ist begeistert und führt daraufhin Violette Leduc in die Gesellschaft der ´Rive Gauche` ein, in der unter anderem auch namhafte Persönlichkeiten wie Jean Genet oder Jacques Guérin sich bewegen.

Alles in allem ist ´Violette` endlich wieder mal ein Film, der sich weder um politische Korrektheit noch um spezielle Erwartungshaltungen bemüht. Ganz gleich, ob rauchende und trinkende Frauen, Freizügigkeit, Sexualität oder ein generell emanzipiertes Frauenbild, der Film von Martin Provost zeigt eine dezidiert feministische Sichtweise. Durch Themen wie Sexualität, Vaterlosigkeit und Abtreibung in ihren Werken buhlt die Protagonistin um künstlerische und seelische Aufmerksamkeit buhlt, und das in einer Zeit, in der noch enge Korsetts, Gehorsam und Demut das Frauenbild prägen.

Ich für meinen Teil weiß jetzt schon, welches Buch ich aufgrund des Filmes als Nächstes lesen werde, nämlich die „Bastardin“ von Violette Leduc… Starken Frauen sollte man generell die nötige Aufmerksamkeit schenken, vor allem, wenn deren Talent zu Lebzeiten nicht gebührend gewürdigt wurde und imposante historische Figuren wie Simone de Beauvoir angetan waren.

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