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Film-Tipp: ´Boyhood` – Besser als ein Fotoalbum

Ein Film über das Erwachsenwerden - Boyhood.  Quelle: Boyhood

Ein Film über das Erwachsenwerden – Boyhood. Quelle: Boyhood

Ein Film, der über 12 Jahre für die Fertigung benötigt und von den Kritikern hochgelobt wird? Kann man zur Zeit haben! Der neue Film ´Boyhood` von Regisseur Richard Linklater handelt von einer Familiengeschichte in Texas. Zentrales Thema ist das Heranwachsen des Jungen Mason, der zu Beginn des Films die erste Klasse besucht und mit Mutter, Vater und seiner Schwester zusammenlebt. Am Ende des Films sind 12 Jahre vergangen, der inzwischen erwachsene Mason ist von zu Hause ausgezogen und besucht das College.

Dabei ist die Zeitpspanne kein surrealer Verlauf, welcher durch geschickte Maskenbildner und verschiedene Schauspieler sugerriert wird. Die im Film vorbeiziehenden zwölf Jahre entsprechenden der realen Drehzeit. Zwölf Jahre vergehen somit nicht nur im Film, sondern auch in der Wirklichkeit bis Richard Linklater das Mammut-Projekt erfolgreich abschließen kann. Daraus entstanden ist ein mitreßender Film über das Erwachsenwerden, oft das trügerische Familienidyll und teils schwierige Alltagsleben, mit dem jeder von uns irgendwann zu kämpfen hat. Ganz gleich, ob Souveränität, verlorene Illusionen oder individuelle Hochs und Tiefs, jedes Jahr hat Linklater die Familie rund um Mason wenige Tage gefilmt und daraus einen herzzerreißenden fiktiven Film kreiert, der sich dennoch so real und authentisch wie kaum ein anderer präsentiert. Fast kommt es einem vor als wäre man Teil dieser Familie. Das Ansehen des Filmes kommt einer jährlich stattfindenden Familienfeier gleich, bei der man gewisse Verwandte eben nur zu dieser Feierlichkeit sieht.

Dabei wusste bei Beginn der Produktion niemand, worauf man sich genau eingelassen hatte. Schließlich ist der Hauptdarsteller, Ellar Coltraner, bei Drehbeginn gerade erst einmal sieben Jahre alt. Dass er sich im Laufe der Jahre zu einem charismatischen, schauspielerischen Talent entwickelt kann zu Drehstart ja niemand ahnen. Auch die Schwester des kleinen Mason, die von Lorelei Linklater (der Tochtervon Richard Linklater) gespielt wird, bleibt bis zur letzten Klappe an Bord. Auch und vielleicht gerade weil sie zwischendurch die ein oder andere Unlust-Attacke überstehen musste. Kaum ein anderes Filmprojekt bindet Schauspieler, darunter auch Patricia Arquette und Ethan Hawke, so lange Zeit an ein einziges Projekt. Das Resultat zeigt jedoch, die Mühen haben sich gelohnt, ist ´Boyhood` doch wie en Blick in ein Familienalbum. Wenn auch nicht die eigene Familiengeschichte präsentiert wird, zeigt der Film doch ganz banale und allgemeingültige Probleme wie Pubertät, Scheidung und zwischenmenschliche Differenzen auf, die in nahezu jeder Familie in irgendeiner Form auftreten können. Somit ein tiefgründiger und absolut sehenswerter Film.

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