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style is more than fashion

Fashion-Loop: Streetstyles – die Sache mit dem individuellen Stil

Streetstyles gibt es unendlich viele, doch die wenigsten sind noch authentisch!

Streetstyles gibt es unendlich viele, doch die wenigsten sind noch authentisch!

Blickt man sich Streetstyle-Bilder der vergangenen Tage und Wochen an, kommen wieder zahlreiche Fashion-Victims und Stilikonen in einzigartigen Outfits zum Vorschein. Moderedakteure, Topeinkäufer, Models und Blogger hüllen sich dieser Tage in akribisch geplante Outfits und präsentieren sich den Fotografen, die stets den einzigartigsten Look ablichten wollen. Doch was haben diese Streetstyles noch mit wahren Looks von der Straße zu tun? Wo findet man in diesen Bildern das ´Street` in den Styles? Längst fotografieren bekannte Fotografen nicht mehr nur Mädchen von der Straße, die durch einen unverwechselbaren Look ins Auge stechen, sondern meist in der Szene bekannte Fashion-Stars, die von Kopf bis Fuß perfekt und extraordinär gekleidet sind. Dabei ähneln diese Outfits mehr einem Laufsteg-Ensemble als einem natürlichen Alltagslook.

Durch das zunehmende Interesse und den wachsenden Einfluss von Bloggern auf die Modewelt, wurden auch Streetstyles immer bedeutender. Längst haben Designer dieses Phänomen als lukratives Marketingstrategie für sich entdeckt und statten Stilikonen, Fashion Blogger und populäre Redakteurinnen von Kopf bis Fuß mit Designermode aus, um später als Streetstyle-Look im World Wide Web bewundert zu werden. Auch die Fotografen sind des Öfteren professionell engagiert und knipsen die VIPs in typischen Streetstyle-Posen ab. Da muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, inwiefern diese Bilder noch eine Authentizität verkörpern.

Waren populäre Streetstyle-Fotografen wie beispielsweise Bill Cunningham nicht ursprünglich in den Metropolen unterwegs, um reelle Personen in unverwechselbaren Klamotten abzulichten? Stand dabei nicht die Reportage individueller Persönlichkeiten in einzigartigen Looks im Vordergrund? Eigentlich schon! Doch wie reihen sich PR-Fotos in diese Serie? Auch wenn professionelle Streetstyle-Fotos schön anzusehen sind und eine Inspirationsquelle für den eigenen Kleiderschrank durchaus sein können, verschleiern sie doch das eigentliche Bild von herkömmlichen und zugleich außergewöhnlichen Alltagslooks.

Sollte man nicht aus Freude an der Mode bestimmte Kleidungsstücke im eigenen Schrank aussuchen und diese tragen, weil man gerade in Stimmung für einen schwarzen Pullover oder ein florales Kleid ist? Sich im Vorfeld schon Gedanken darüber zu machen, welches Outfit wohl am meisten Resonanz erhalten und den größten Hype bei Fotografen und Co. auslösen könnte, hat nicht wirklich etwas mit einem reellen Kleidungsstil zu tun. Wenn Anna Dello Russo sich vor einer Fashion Show von Kopf bis Fuß in Armani oder Balmain hüllt, ist dies weniger real als vielmehr geschickte PR – sowohl für die Person als auch für den Designer. Nicht umsonst war ein Kenzo Pullover mit Tigermähne oder die Keilsneaker von Isabel Marant derart begehrt und in kürzester ausverkauft, schließlich waren diese It-Pieces in nahezu jedem Fashion-Blog zu finden!

Wenn populäre Damen und Herren sich nur noch für die Kamera kleiden und nicht mehr aufgrund eigener Wünsche und Vorlieben, bleibt die Authentizität auf der Strecke. Kleidung kann und darf doch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein und zu bestimmten Teilen das widerspiegeln, was der Träger liebt und bevorzugt. Sind Streetstyles dann noch individuell, wenn Mode-Designer und Labels bereits vorab darauf Einfluss nehmen und einem die Kaufentscheidung abnehmen? Wenn folglich die Streetwear und der Runway in gewisser Weise ein und dasselbe präsentieren, reflektiert die Modeindustrie dann nicht zwangsweise ihr eigenes kreiertes Image? Die Authentizität und Individualität bleibt dabei unweigerlich auf der Strecke. Gerade weil die Streetstyles sich von den Laufstegen der Welt differenzierten, waren sie doch aufgrund ihrer Eigentümlichkeit so gefragt.

So sind viele Streetstyles inzwischen nur nach Blasen, die eine surreale Wirklichkeit abbilden und meist mehr an Modemagazine als an wahre Alltagsszenarien erinnern. Auch ich muss mich gegen diesen Faszination-Wahn wehren, wenn beispielsweise wieder ein It-Piece in zahlreichen Streetstyle-Looks zu sehen ist und sich sofort ein ´Haben-Wollen` instinktiv einstellt. Der Unterschied ist nur, ich trage nur das, was mir gefällt und nicht die Kleidungsstücke, die den Fotografen gefallen könnten…

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