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style is more than fashion

Fashion-Loop: Endzwanziger in der Krise.

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Nur noch wenige Tage, dann heißt es wieder ein Jahr älter werden. Wir befinden uns inzwischen auf der schönen Insel Sri Lanka und starten in Richtung ´Goldenes Dreieck` bevor es kurz vor dem neuen Lebensjahr in den Süden zu traumhaften Stränden, viel Sonne und Entspannung geht. In Angesicht meines nahenden Geburtstags widmen wir uns im heutigen Fashion-Loop so auch nicht einer Modesünde, sondern dem Phänomen des Älterwerdens!

Statistisch gesehen befinden wir uns alle sieben Jahre in einer Sinnkrise bzw. Phase der Veränderung. Gestalten sich diese sogenannten Wandlungsphasen am Anfang unseres Lebensweges in Form von Einschulung, Pubertät und Studium bzw. Ausbildung noch verhältnismäßig einfach, gilt für viele die Lebensphase Ende Zwanzig wohl als eine der schwierigsten. Wir unterziehen unser Leben das erste Mal einem Prüfstand, stellen alles auf die Probe, hinterfragen den Status Quo und setzen uns mit der magischen Zahl 30 auseinander.

Das Älterwerden ist ein stetiger Prozess, den wir nicht aufhalten können. Wir durchlaufen verschiedene Lebensphasen, uns begegnen die verschiedensten Menschen, wir schließen Freundschaften, gehen Partnerschaften ein und trennen uns von dem ein oder anderen Weggefährten. Auch wenn wir auf manche Entwicklungen keinen Einfluss haben, schmieden wir dennoch Pläne, haben Sehnsüchte, Träume und meist hohe Erwartungen an die Lebensjahre, die noch vor uns liegen. Kurz vor dem 30. Geburtstag spüren viele erstmals die Konsequenzen des eigenen Handelns, stellen viele Entscheidungen in Frage, resümieren und hinterfragen den bisherigen Werdegang sowohl in privater wie auch in beruflicher Hinsicht.

Wir wollen unabhängig sein, dennoch in einer festen Partnerschaft leben, auf Reisen gehen, zugleich aber auch einen festen Wohnsitz und eine schöne Einrichtung haben, ungebunden bzw. frei sein und zugleich eine Partnerschaft eingehen, Karriere machen und dennoch in Work-Life-Balance leben. Kurz: So ganz genau wissen wir nur, dass wir gar nicht so recht wissen, was wir eigentlich wirklich vom Leben wollen. Unser Erfahrungsschatz ist noch sehr jugendlich. Die Träume, die wir mit 15 schmiedeten, wurden vom realen Leben überrollt und sehr öft in Luft aufgelöst. Dennoch hadern wir mit der gegenwärtigen Situation, auch wenn diese meist gar nicht so schlecht ist. Letzten Endes wollen wir alle doch nur glücklich sein. Doch was bedeutet dieses kleine Wörtchen ´Glück`? Der Job im Startup ist cool, doch das Gehalt könnte mehr sein? Die Beziehung ist harmonisch, dennoch wünscht man sich den nächsten Schritt zu gehen? Die vielen Reisen versprühen das Gefühl von Freiheit, trotzdem bleibt ein Stück Heimweh bzw-. Rastlosigkeit? Dieses ständige Gefühl mehr zu wollen begleitet viele ein ganzes Leben lang, vor allem, wenn man perfektionistisch veranlagt ist und stets nach Höherem strebt. Irgendwann kündigt man dann den Startup-Job und heuert aufgrund eines aussichtsreichen Gehalts in einem konservativen Großkonzern an. Dadurch werden die Reisemöglichkeiten auch weniger und die Beziehung leidet aufgrund von ungeahnten Fremdflirt-Möglichkeiten bei Tinder und Co. Der Kinderwunsch bleibt irgendwann aus, die Ehe zerbricht oder der Traumpartner taucht aufgrund von zu hohen Idealvorstellungen an das Gegenüber erst gar nicht auf?

Was bleibt am Ende? Weshalb also sich auf künftige Ereignisse und Zukunftsziele versteifen, wenn man das Hier und Jetzt zählt. Wir tanzen vielleicht nicht mehr jedes Wochenende in den In-Clubs der Stadt, reisen nicht das halbe Jahr durch Lateinamerika, oder stocken unseren Studienkredit durch gelegentliche Bar-Jobs auf, stattdessen wissen wir ein gutes Buch zu schätzen, machen Einkommenssteurerklärungen und lassen die Fünf einfach einmal gerade sein. Auch wenn man das gesellschaftliche Standardmodell mit 30 á la ´mein Haus, mein Ehemann, mein Kind, mein Traumjob` nicht erfüllt, muss man nicht verzagen. Dennoch bleibt diese unbegründete Ratlosigkeit an einen haften. Die innere Stimme wird immer lauter, auch wenn prinzipiell alles gut ist. Abwarten und auf ein Zeichen warten, hilft da nicht wirklich weiter. Den perfekten Traumpartner findet man nicht durch Grübelei, ebenso wenig wie den Traumjob oder die lang ersehnte Weltreise. Eine durchzechte Partynacht befriedigt uns nicht mehr wie mit Anfang 20, die Ikea-Einrichtung entspricht nicht mehr unserem Ästhetik-Gefühl und der Lohnzettel reicht nicht mal Ansatzweise für die gewünschte Designertasche. Die Bedürfnisse der Zwanziger erfüllen uns nicht mehr wie früher und die 30er-Welt erweckt nur Hinterfragungen an den aktuellen Lebensstandard. Was also tun? Es gibt nur eine Devise: Raus aus der Komfortzone, neue Pläne schmieden und gegebenenfalls Risiken eingehen, möchte man wirklich an seinen Leben etwas ändern. Ansonsten blickt man irgendwann missmutig auf das eigene Leben und unerfüllten Träume zurück.

Auch wenn ich keine Angst davor habe älter zu werden und die 30 alles andere als ein Schreckgespenst ist, kam auch ich an Grübeleien nicht vorbei und so habe auch ich mich aus der Komfortzone heraus bewegt. Der erste Traum ist bereits in Erfülung gegangen, denn ich werde meinen Geburtstag fernab der Heimat an einem traumhaft schönen Strand verbringen und dort ganz still und heimlich auf mich und mein bisheriges Leben mit all den Erfahrungen, Enttäuschungen, Erinnerungen und zahlreichen Glücksmomenten anstoßen. Und auch in puncto Job wage ich im nächsten Jahr einen Neuanfang. Zudem wurde die Wohnung komplett modernisiert, die Garderobe etwas eleganter und mit tollen Basics fürs Leben aufgestockt und ich habe mir mein erstes eigenes Auto angeschafft. Ob das nun alles mit dem Älterwerden zusammenhängt bezweifle ich, aber ganz auszuschließen ist es mit Sicherheit auch nicht. Immerhin ist dies der ganz normale Lauf der Dinge. In diesem Sinne – auf die nächsten 30 Jahre!

 

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