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style is more than fashion

Fashion Loop: ´Come as you are`

CP-Fashion-Loop-Hochzeit

Der Wonnemonat Mai ist bald vorbei und somit auch die erste Hochphase der Hochzeiten. Ganz gleich, ob Hippie-Hochzeit oder klassische Feier mit kirchlicher Trauung und Co., der Mai steht jedes Jahr ganz im Zeichen der Verliebten und Heiratswütigen. Und das ist auch gut so, denn heiraten Freunde und Bekannte, darf man sich, insofern man eingeladen wird, auf eine wundervolle Hochzeitsfeier freuen. Immerhin ist so eine Einladung zu einer Hochzeit nicht selbstverständlich. Man sollte sich glücklich schätzen, dass das Brautpaar diesen besonderen Tag mit einem feiern möchte. Und da es eine Ehre ist, Teil dieses wichtigen Anlasses zu sein, ist es eigentlich selbstverständlich, dass man sich auch entsprechend für diesen Tag zurecht macht und stilvoll Kleidet. Eigentlich… denn in der heutigen Zeit weiß anscheinend nicht jeder Gast diese Ehre entsprechend zu würdigen.

Ausrutscher und modische Fauxpas gibt es auf jeder Hochzeit. Nicht jeder hat die Muße und das Budget, sich für eine Hochzeit ein neues Outfit zu kaufen. Das muss auch nicht sein, aber in Zeiten von Zalando und Co. sollte es heutzutage ein Leichtes sein, ein preiswertes und günstiges Outfit zu finden. Besucht man jedoch die ein oder andere Hochzeit, macht es immer mehr den Anschein, dass die Shopping-Möglichkeiten des Internets bei dem Großteil der potentiellen Hochzeitsgäste noch nicht angekommen sind. Anders ist es nicht zu erklären, warum der ein oder andere – und manchmal auch die Mehrzahl der Gäste – sich bei einer Hochzeit unpassend kleidet. Von lässigen Jeans-Outfits über gruselige Minikleid-Exemplare bis hin zum biederen Zweiteiler, der nach Altkleidersammlung schreit, bekommt man inzwischen alles zu Gesicht. Pure Absicht oder einfach nur Unwissenheit – stellt sich da die Frage. Trifft ersteres zu, ist dies definitiv ein Stilverlust der breiten Masse.
Früher hat man sich für Hochzeiten immer ein neues Outfit zugelegt, einen Termin beim Friseur für eine adäquate Hochsteckfrisur vereinbart und neue Schuhe gekauft, heute gehören solche unausgesprochenen, sozialen Gepflogenheiten wohl der Vergangenheit an. Es wird einfach in den Kleiderschrank gegriffen und nach einem akzeptablen Outfit gestöbert, die Haare werden bestenfalls wie immer gestylt und passende Accessoires… – wer braucht schon Accessoires! Auch wenn viele dies für völlig in Ordnung erachten, kann und möchte ich mich damit einfach nicht abfinden. Selbst bei großen Modeketten wie H&M und Zara kann man mittlerweile schöne Cocktailkleider für unter 50 Euro shoppen, die durchaus auch für eine Hochzeit geeignet wären. Was steckt also hinter der modischen Gleichgültigkeit bei Feiern und Festen? Die Kaufkraft und Konsumstärke der Deutschen befindet sich derzeit auf einem Zenith, ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Das fehlende Geld kann folglich nicht der Grund dafür sein. Was ist also mit der Gleichgültigkeit? Ist es für viele heute nicht mehr zeitgemäß einen gewissen Dresscode bei einer Feierlichkeit zu erwarten? Oder sind diese vorgeschriebenen Kleiderordnungen erst der Anlass für die stetig abfallende Bereitschaft, eine passende Garderobe zu wählen.

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Der Teufel liegt womöglich im Detail. „Come as you are“ ist da das böse Stichwort. Denn ist hiermit wirklich die Alltagskleidung erwünscht, die man tagein tagaus trägt oder ist nicht vielmehr ein typgemäßes Outfit passend zur Feierlichkeit erwünscht? ´Komme so wie du bist` – diese Kleiderordnung sollten die wenigstens zu wörtlich nehmen. Im beruflichen Umfeld bedeutet dieser Dresscode ja auch nicht, zieh ne Jogginghose drüber und gut ist’s. Möchte man eine Hochzeit mit einem stilistischen Gesamtbild, sollten Brautpaare Sätze wie ´Come as you are` auf einer Hochzeitseinladung tunlichst vermeiden.

Doch was ist nun der richtige Hinweis in Sachen Garderobe? Zu subtil darf es anscheinend nicht sein, zu forsch dagegen sollte es aber auch nicht sein. Die goldene Mitte finden ist daher die Devise. Motto-Hochzeiten sind ideal, da man sich als Gast perfekt darauf einstellen und so das passende Outfit wählen kann. Zumindest sollte man das meinen, denn auch hier gibt es ganz besondere Kandidaten, die das Motto einfach aufgrund von subjektiver Überzeugung vehement ablehnen und sich somit darüber hinwegsetzen. Zur 20er-Jahre-Hochzeit im adäquaten Glitter-Look erscheinen? Nein danke, ich trage lieber Black Tie oder Tracht. Na dann: Herzlichen Glückwunsch zur Vermählung!

Auch wenn viele es nicht für möglich halten, das Brautpaar registriert durchaus modische Fehlgriffe und sieht, wenn der erwünschte Dresscode ignoriert oder nicht eingehalten wird. Ein Motto oder Dresscode wird ja nicht einfach so gewählt, sondern hat meist eine spezielle Bedeutung oder Hintergrund. Warum sich also darüber hinwegsetzen und diesem Wunsch nicht nachkommen? Es gibt wirklich schlimmeres, als in einem schönen Cocktail- oder Abendkleid einer Hochzeitsfeier beizuwohnen. Natürlich sollte sich jeder in seiner Haut wohlfühlen, aber dank der heutigen modischen Möglichkeiten muss sich niemand wirklich verstellen und in ein Outfit zwängen, dass nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Mit etwas Geschick und Stilgespür findet wirklich jeder Gast ein schönes Hochzeitsoutfit passend zum Thema oder Kleiderordnung. So fühlen sich auch Gäste, die den Dresscode ernst nehmen und etwa im Hippie-Look, im langen Abendkleid oder im 20er-Jahre-Look zur Feier erscheinen nicht völlig fehl am Platz und das Beste: Das Brautpaar bekommt die Hochzeit, die es sich gewünscht hat. Und das sollte doch das Wichtigste sein, oder nicht?

 

Bilder: Pexels

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