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Fashion-Loop: Birkentsocks – plötzlich en vogue

Birkenstock-Streetstyle

Diesen Sommer geht nichts ohne Birkenstocks. Quelle: Pinterest

Trends kommen und gehen – manche überdauern einige Saison, andere sind ein kurzer Windstoß, der die Modeindustrie nur mäßig aufwirbelt. Manche Trendströmungen werden mit Freude erwartet, manch andere kann man sich kaum erklären, geschweige denn nachvollziehen. Letzteres trifft wohl auch auf die derzeit große Nachfrage nach Birkenstocks zu. Kaum ein anderer Schuh wird derzeit so gehypt wie die bequemen Latschen mit Fußbett. Das kommt einer Revolution nahe, denn wann standen sich Rentner und Models modisch schon einmal so nah wie jetzt? Seit vergangenen Herbst sind die Schnallen-Treter in nahezu jedem Modemagazin zu sehen. Ob klassisch als ´Arizona`-Modell mit Doppelschnalle oder exzentrisch von Designern – wie Phoebe Philo – mit breiten Riemen und Pelzeinlage neu interpretiert, Birkenstock-Schuhe zählen nun zu dem Must-Haves in puncto Schuhwerk. Doch woher kommt diese Hysterie nach bequemen Gesundheitslatschen? In Zeiten von High Heels, Designer-Pumps und Co. ein regelrechter Aufschrei.

Der Komfort steht anscheinend wieder im Mittelpunkt. Was einmal als bequeme und von Männern verhasste Ballerinas begann, gipfelt nun in optisch weniger ansprechenden Birkentsocks. Denn einen Schönheitswettbewerb gewinnen diese Schuhe nun wirklich nicht. Verantwortlich für die Hysterie ist wieder einmal eine: Phoebe Philo, Chefdesignerin von Céline, war den anderen wieder einmal einen Schritt voraus und krönte das gesunde Fußkleid zum neuen It-Piece. Seither stehen in Vettelschoß in Rheinland-Pfalz, dem Hauptsitz von Birkenstock, die Telefone nicht mehr still. Ganz gleich, ob Vogue, Elle, Harper’s Bazaar oder Vanity Fair, alle wollen das flache Schuhwerk in den eigenen Modestrecken ablichten.

Das Traditionslabel erlebt gerade das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte. Und dafür musste die Marke, welche 1774 gegründet wurde, nicht einmal etwas für tun. In Vettelschoß ist man regelrecht überwältigt von der großen Nachfrage. Anfragen bzgl. Kooperationen mit namhaften Designer steht man gelassen, wenn auch etwas überfordert – gegenüber. Wenn beispielsweise Marc Jacobs durch einen Anruf eine gewünschte Kooperation versucht zu kommunizieren, erhält dieser schon einmal eine Absage, denn Änderungswünschen an der Sohle gehe man bei Birkentsock beispielsweise nicht nach. Schließlich ist die Sohle das Aushängeschild der Marke. Das äußerst bequeme Fußbett spricht in puncto Tragekomfort und Qualität für sich. Für die modebewussten Trägerinnen ist dieser Vorteil wohl eher ein Zusatzbonus als vielmehr ein Kaufargument. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kundenstamm steht bei den neuen Trägern vor allem der Trendfaktor im Vordergrund. Attraktiver werden die Träger durch den Schuh sicherlich nicht. Birkenstocks sind in diesen Tagen Ausdruck für demonstrative Lässigkeit. Die Reduktion auf das Wesentliche gepaart mit einem kalkulierten Stilbruch ist heute en vogue (gleiches Phänomen konnte man auch bei den Nike Air Max beobachten). Und So tragen Topmodels, Streetstyle-Stars und Redakteurinnen fortan das klassische Birkentsock-Modell ´Arizona` mit Doppelriemen zu eleganten Seidenhosen oder filigranen Röcken von Céline, Kenzo, Marni und Co.

Fast ein Jahr hat es jedoch gedauert, bis sich die Öko-Schlappe durchsetzen konnte. Doch nun sieht man sie überall. Von Zara über H&M bis hin zu Isabel Marant oder Marni, nahezu jedes Modelabel und jeder namhafte Designer hat einen Birkenstock-Verschnitt, auch bekannt als ´Furkenstocks`, im Sortiment. Und so werden wir diesen Sommer unzählige Mädchen und modeorientierte Frauen mit den Ökolatschen durch die City laufen sehen. ´Modisch, aber nicht unbedingt schön` werden manche dann von sich geben, denn das optische Gefälle zwischen gertenschlanken Topmodels und Otto-Normal-Frauen mit üblichen Problemzonen könnte da nicht größer sein. Den wenigsten wird der unumgängliche Spagat zwischen gewollter, modischer Lässigkeit und ungewollter Klassifizierung als Öko-Anhänger wohl kaum gelingen.

Ich für meinen Teil kann mich mit dem neuen Schuhwerk noch nicht so ganz anfreunden, auch wenn ich in meiner Kindheit Birkenstock-Schuhe als Hausschuhe ausnahmslos tragen durfte oder vielmehr musste und somit mit den Vorzügen durchaus vertraut bin. Der Tragekomfort ist auch heute noch unwidersprochen – kaum ein anderer flacher Schuh bietet so viel Komfort wie die klassischen Birkenstock-Modelle. Zum Glück geht nun auch Birkentsock in die Marketing-Offensive und bietet spezielle Style- und Premium-Linien in knalligen Farben oder mit speziellen Prints an. Die Birkenstocks, die Vogue als ´pretty ugly` bezeichnet hat, stellen sich somit langsam aber sich auch den gängigen Trendansprüchen. Wenn auch nicht ganz überzeugt, befürchte ich schon jetzt, dass ich spätestens im Sommer doch auf ein Paar Ökolatschen zurückgreifen werde.- natürlich nur aus reinen Komfort-Gründen…

 Quelle: Birkenstock

Die beliebtesten Birkenstock-Modelle im Überblick. Quelle: Birkenstock

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